AND007 Vom Aufschieben und nicht anfangen können

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Gorden
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Birte

Kurzfassung

In dieser Folge sprechen Birte und Gorden über Prokrastination bei ADHS – und darüber, warum das scheinbar einfache „Fang doch einfach an“ für viele Betroffene eben nicht funktioniert. Sie machen deutlich, dass es oft nicht nur um Aufschieben geht, sondern um eine tiefere Schwierigkeit, überhaupt ins Handeln zu kommen. Im Mittelpunkt stehen das sogenannte Task Initiation Problem, der Einfluss von Energiehaushalt und Selbstwert sowie die Frage, wie man individuelle Wege finden kann, Aufgaben trotzdem zu beginnen und dranzubleiben.

Weitere Infos, Kontaktmöglichkeiten und Unterstützung findet ihr unter adhsneudenken.de.

Themen

  • Warum Prokrastination bei ADHS mehr ist als bloßes Aufschieben
  • Der Unterschied zwischen Prokrastination und Task Initiation Problem
  • Warum „Fang doch einfach an“ meist nicht hilft
  • Wie Selbstwert, Kritik und Misserfolge das Problem verstärken
  • Die Rolle von Energiehaushalt, Routinen und Reizmanagement
  • Body Doubling, Mikroschritte und Belohnungssysteme als praktische Hilfen
  • Warum es keine Universallösung gibt, sondern individuelle Strategien braucht

Langfassung

In dieser Episode widmen sich Birte und Gorden einem Thema, das viele Menschen mit ADHS nur zu gut kennen: Prokrastination. Dabei machen sie von Anfang an deutlich, dass es bei ADHS oft nicht einfach nur um klassisches Aufschieben geht. Vielmehr steht häufig eine tiefere Schwierigkeit dahinter, überhaupt in eine Aufgabe hineinzukommen – selbst dann, wenn man sie eigentlich machen will. Genau an diesem Punkt wird die Unterscheidung zwischen Prokrastination und dem sogenannten Task Initiation Problem zentral.

Die beiden sprechen darüber, warum gerade alltägliche Dinge wie ein Arztanruf, eine Hausarbeit oder das Beantworten wichtiger Schreiben zu enormen inneren Hürden werden können. Es geht um den Kampf zwischen „ich will das tun“ und „ich kriege den Anfang trotzdem nicht hin“ – und darum, warum diese Erfahrung mit Faulheit oder mangelndem Willen wenig zu tun hat. Stattdessen beleuchten Birte und Gordon, welche neurologischen und psychologischen Prozesse dahinterstehen und weshalb diese Dynamik bei ADHS häufig besonders belastend ist.

Ein großer Schwerpunkt der Folge liegt auf den emotionalen Folgen: Wer Aufgaben immer wieder aufschiebt oder nicht rechtzeitig beginnt, erlebt oft Kritik von außen – und noch stärker von innen. Genau dadurch leidet bei vielen Betroffenen das Selbstwertgefühl. Birte und Gordon greifen auf, wie sich aus wiederholten Misserfolgen eine Abwärtsspirale entwickeln kann und warum es so wichtig ist, diese Muster nicht nur als Organisationsproblem, sondern auch als Selbstwertthema zu verstehen.

Gleichzeitig bleibt die Folge sehr praxisnah. Die beiden sprechen darüber, was helfen kann, um die Hürde des Anfangens besser zu überwinden: Body Doubling, das Arbeiten in Mikroschritten, realistische Zwischenziele, Belohnungssysteme, feste Routinen und ein bewusster Umgang mit Reizen und Energie. Dabei wird deutlich, dass es nicht die eine perfekte Methode gibt. Entscheidend ist vielmehr, die eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen, verschiedene Ansätze auszuprobieren und sich Strategien zu erlauben, die wirklich zur eigenen Person passen – auch dann, wenn sie ungewöhnlich wirken.

Die Folge macht außerdem Mut, Rückschläge nicht als Beweis des Scheiterns zu sehen, sondern als Teil eines Lernprozesses. Selbstakzeptanz, Selbsteducation und die Bereitschaft, immer wieder nachzujustieren, werden als zentrale Bausteine beschrieben. So entsteht ein differenzierter Blick auf Prokrastination bei ADHS: nicht als persönliches Versagen, sondern als Herausforderung, für die es Wege und Hilfen gibt – wenn man versteht, was eigentlich dahintersteckt.

Takeaways

  • Prokrastination bei ADHS ist oft eng mit einem Task Initiation Problem verbunden
  • Es geht nicht nur um Aufschieben, sondern häufig um eine echte Hürde beim Anfangen
  • Kritik, Misserfolge und Selbstzweifel können das Problem zusätzlich verstärken
  • Selbstakzeptanz und Wissen über ADHS helfen, die Dynamik besser zu verstehen
  • Body Doubling, Mikroschritte und Zwischenziele können den Einstieg erleichtern
  • Energiehaushalt, Schlaf, Routinen und Reizmanagement spielen eine wichtige Rolle
  • Die passende Strategie ist individuell – entscheidend ist, dranzubleiben und weiter auszuprobieren

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